Die Lorenzkirche von Salzwedel

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Die Kirche der ehemaligen Burgmannensiedlung, heute ein Kleinod romanisch-frühgotischer Baukunst, ist vermutlich die älteste Kirche der Stadt Salzwedel und war dem heiligen Laurentius geweiht.

Türklinke von Heinrich ApelLaurentius, Diakon der Christengemeinde in der Stadt Rom, präsentierte dem Kaiser anstatt eines herkömmlichen Kirchenschatzes, die von ihm beschenkten und dadurch zum Christentum bekehrten Armen als "die wahren Schätze der Kirche". Hiernach, auf den Befehl des Kaisers auf einem Feuerrost langsam zu Tode gemartert, wurde Laurentius mit seinem qualvollen Tod am 10. August 258 zum Märtyrer, Heiligen und Patron vor allem der Armen, Köche, Konditoren, Bierbrauer, Wirte, Wäscherinnen, Büglerinnen, Glasbrenner, Glaser, der Feuerwehr, gegen Feuersbrunst, Pest, Fieber und die Qualen des Fegefeuers.
Heute erinnern wir uns wohl nur mehr an eine alte Bauernregel, die besagt: Wenn es am Laurentiustag, d.h. dem Todestag Laurentius, schön und heiter ist, soll uns ein freundlicher Herbst beschieden sein.

Auch lässt der Namenspatron Laurentius vermuten, da er bereits seit dem 10. Jahrhundert in Deutschland verehrt wurde, dass an der Stelle der jetzigen Kirche ein Vorgängerbau vielleicht sogar eine Feldsteinkirche gestanden hat. Da bei bisherigen Grabungen jedoch keine älteren Bauteile gefunden wurden, konnten diese Annahme nicht bestätigt werden.

Die heutige Lorenzkirche wurde im 13. Jahrhundert zu Zeiten der planmäßigen Städtegründungen unter dem Markgrafen Johann I. und Otto III. und architektonisch stark beeinflusst von der Diesdorfer Klosterkirche als dreischiffige, querschifflose Backsteinbasilika mit einem Westturm errichtet. Jedoch verlor die Lorenzkirche bereits im 14. Jahrhundert an Bedeutung als Pfarrkirche zugunsten der nur zwei Straßenzüge entfernt liegenden und zu jener Zeit moderneren Marienkirche.

Um 1400 erhält das bisher flach gedeckte Mittelschiff sein gotisches Gewölbe und Ende des 15. Jahhunderts wird auch der Chorraum eingewölbt. Gilden wie diejenige der Knochenhauer (Fleischer) und geistliche Bruderschaften unterhalten in der Kirche ihre Altäre und feiern hier Gottesdienste. Nach der durchgeführten Reformation im Jahr 1541 wurde die Lorenzkirche nicht mehr genutzt und stark vernachlässigt.

LorenzkircheÜber 160 Jahre, d.h. von 1692 bis 1859 , wurde die Kirche sogar als "Königliche Salzfaktorei" bzw. als Lager des aus der Saline in Schönebeck gewonnenen Salzes missbraucht, was natürlich erhebliche Schäden am Bau der Kirche zur Folge hatte. So erfolgte bereits am Anfang des 18. Jahrhunderts der Abbruch der Seitenschiffe, die Vermauerung der Arkaden und schließlich 1794 der Abbau des Westturms.

Erst im Jahre 1859 wurde die Kirche wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt. Durch den bischöfliche Stuhl in Paderborn für die katholische Gemeinde in Salzwedel erworben, wurde sie nun umfassend restauriert und neugotisch ausgestattet.

Weitere Restaurationen konnten endlich, nach mehreren durch den ersten und zweiten Weltkrieg verhinderten Maßnahmen, in den Jahren 1961 bis 1964 durch das Institut für Denkmalpflege Halle erfolgen und so der ursprüngliche Eindruck der Kirche wenigstens teilweise wieder hergestellt werden.

In dieser Zeit wurde die Kirche mit Ausstattungsstücken (Kruzifix sowie die Marien- und Johannesfiguren) der "Mönchskirche" des Franziskanerklosters versehen und erhielt auch ein ganz besonderes Schmuckstück: die eigens für St. Lorenz von dem bekannten Magdeburger Bildhauer Heinrich Apel gestaltete Türklinke mit der symbolischen Darstellung des Martyriums des Heiligen Laurentius auf dem Feuerrost.

Gleich gegenüber der Lorenzkirche, in der Jenny-Marx-Straße Nr. 16, steht das sogenannte Jahn-Haus. In diesem zweigeschossigen Fachwerkbau lebte hier von 1791 bis 1794 der spätere "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn.

Besichtigen können Sie die Lorenzkirche täglich außer sonntags von 14.00 bis 15.00 Uhr und in den Monaten April bis Oktober zusätzlich von 10.00 bis 11.00 Uhr. Als Ansprechpartner für Führungen steht Ihnen das Katholische Pfarramt (Tel: 03901-423357) zur Verfügung.


Literaturquelle:
Irene Roch. "Die Lorenzkirche in Salzwedel". Grosse Baudenkmäler Heft 455. 1993.

ein Weg zur Lorenzkirche

 

     Das Menschengeschlecht
     erkennt
     seine Propheten nicht und
     tötet sie,
     doch es liebt seine Märtyrer.
     (Dostojewski)

 

     

An der Lorenkirche

 

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