Der Einhornaltar von Dambeck

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er Schnitzaltar aus dem Jahr 1474, stammt ursprünglich aus der Klosterkirche
 Dambeck (heute in der St. Katharinenkirche in Salzwedel) und erzählt eine
  farbenfrohe Allegorie der Empfängnis Christi. Das Einhorn, dessen Legende
 wir in vielen Märchen und Volksliedern wiederfinden, hat angeblich großes Vertrauen zu Jungfrauen und kann daher nur von ihnen gezähmt werden. So ist es nicht verwunderlich, dass diese beliebte volkstümliche Legende der mystischen Einhornjagd auch in die christliche Darstellungsweise der berühmtesten aller Jungfrauen Einzug hielt.

Einhornaltar
Einhornaltar

Einhornaltar
Einhornaltar

Einhornaltar
Einhornaltar


Im Mittelschrein des Dambecker Altars finden wir, umgeben von einer Reihe typischer Vorstellungen des alten Testamentes, ein häufig verwendetes Motiv dieser Darstellungsweise wieder:

Das Einhorn wird von dem Erzengel Gabriel "Verkündungsengel" gejagt. Ihn begleiten vier Jagdhunde, die vier Grundtugenden der Wahrhaftigkeit (Veritas), der Gerechtigkeit (Justita), der Barmherzigkeit (Misericordia) und der Friedfertigkeit (Pax) symbolisieren. Maria sitzt in einem verschlossenen Garten, dem "hortus conclusus", der die Unberührtheit Mariens versinnbildlicht. In ihren Schoß flüchtet sich das Einhorn. Das Einhorn, Symbol für Christus, das im Schoß Mariens ruht, zeigt uns die Verbundenheit Jesu zum sündigen Menschen.

Hinter Maria sehen wir den älteren Bruder Moses Aaron im Gewand eines jüdischen Hohepriesters, als Künder der Jungfräulichkeit Maria, vor einem Altar von 12 Stäben (für die 12 Stämme Israels) knien, von denen einer zum Zeichen grüne Zweige treibt. Weiter im Hintergrund finden wir den Richter Gideon, der kniend vor der ausgebreiteten Wolle betet, an dem Gott ihm seinen Willen, Israel aus den Händen der Medianiter zu befreien, deutlich machen soll und weiterhin finden wir Moses vor dem brennenden Dornenbusch, aus dem Gott heraustritt und ihn beauftragt, sein Volk aus Ägypten herauszuführen. Die um den Mittelschrein angeordneten Tafeln erzählen vom Anfang des Leben Jesu: die Geburt Johannes des Täufers (urspr. Mariengeburt), die Geburt Jesu, die Weisen aus dem Morgenland und der Kindermord des Herodes, während in den Flügeln 16 Figuren von Heiligen und Aposteln angeordnet sind. Die Außenseiten zeigen als Gemälde acht Darstellungen der Passion.

Die Holzschnitzarbeiten des Altars können auf die Spätgotik zurückgeführt werden und sind schon sehr an das malerische angelehnt und zeigen, dass aufgrund des italienischen Einflusses der Malerei, die Schnitzerei als Kunst der Bürger und Bauern langsam an Achtung verlor, allein das sorgfältig gearbeitete Ornament der Rund- und Kielbögen erinnert noch an die Hochgotik. Obwohl der Altar nicht zu den handwerklich Kostbarsten unserer Region gehört, sind die Gegenstände seiner Darstellung doch von besonderem theologischen und kulturhistorischen Interesse.

Übrigens, die Beziehung des Einhornsymbols zur Bibel wurde bereits im "Physiologus" aufgezeigt, bei dem es sich um eine griechische Abhandlung, auch Bestiarium genannt, des 2.-4. Jahrhundert eines unbekannten Verfassers handelt und als das Hauptwerk christlicher Natursymbolik im Mittelalter gilt. Der Physiologus wurde im 11. Jahrhundert und 12. Jahrhundert mehrfach ins Deutsche übersetzt.

 

    III - D e  u n i c o r n i

    So heizzit ein andir tier rinocerus,
    daz ist einhurno,
    un ist uile lucil un ist so gezal,
    daz imo niman geuolgen nemag,
    noh ez nemag ze neheinero uuis geuanen uuerdin.
    So sezzet min ein magitin dar tes tiris uard ist.
    So ez si gesihit, so lofet ez ziro.
    Ist siu denne uuarhafto magit,
    so sprinet ez in iro parm unde spilit mit iro.
    So chumit der iagere unde uait ez.
    Daz bezeichenet unserin trotin Christin,
    der dir lucil uuas durih di deumuti der menischun geburte.
    Daz eina horin daz bezeichenet einen got.
    Also demo einhurnin niman geuolgen nemag,
    so nemag ouh nehein man uernemin daz gerune unsiris trotinis,
    noh nemahta uone nehenigemo menislichemo ougin geseuin uuerdin,
    er er uon der magede libe mennesgen lihhamin finc,
    dar er unsih mite losta.

    Text aus dem ersten deutschsprachigen
    Physiologus "Der Ältere Physiologus um 1070":

    » http://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica
      /Chronologie/11Jh/Physiologus/phy_intr.html


 Weiterführende Literatur:

 Der Einhornaltar aus Kloster Dambeck. Georg Stuhlfauth. Marburger Jahrbuch für
 Kunstwissenschaft, 13. Bd., 1944 (1944), pp. 171-186.

 Das Einhorn : eine Spurensuche durch die Jahrtausende. Hagenmaier, Winfried.
 München : Eulen-Verl., 2003. 127 S. mit zahlreichen Illustrationen. » bei AbeBooks

 Spiritalis Unicornis : Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des
 Mittelalters. Einhorn, Jürgen W.. in Hg.: Beltin, H. u. a. Münsterische Mittelalter
 -Schriften. Wilhelm Fink Verlag. München – 1976.  » bei AbeBooks

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 Weiterführende Links:

Katharinenkirche Salzwedel
St. Katharinenkirche

 

Klosterkirche Dambeck
Klosterkirche Dambeck

Stiftung Kloster Dambeck
- Das lebendige Kloster -
in der Altmark

 

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