Das Kloster Neuendorf

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ermutet wird, dass der Gründer des Kloster Neuendorfs, einst "Niendorp", in
 der Familie der Edlen von Gardelegen, dabei vielleicht in dem Burgherren
 Erich von Gardelegen zu sehen ist. Es ist anzunehmen, dass er die Stelle für die Klosterbauten und eine Geldsumme, aus der die ersten Anlagen bestritten wurden, gestiftet hat. Als stärkster Beweis kann hier angeführt werden: "Erichs Gattin Adelheid, vielleicht sogar er selbst, ist im Kloster bestattet worden; an sie erinnert ein merkwürdiger Stein, der sich heute in der Klosterkirche befindet." 2) Wohl als Mitbegründer des Klosters können auch die Askanier betrachtet werden, denn den ersten Grundbesitz erhielt die neue Gründung von Markgraf Johann I. von Brandenburg im Jahre 1232. So entstanden bald das Klostergebäude und neben der Klausur* der Wirtschaftshof.

In den ersten 8 Jahren seines Bestehens vergrößerte sich sein Besitz allein durch Schenkungen. Jedoch bereits 1340 erstarkte das Kloster so sehr, dass es mit eigenen Mitteln den weiteren Ausbau des Grundbesitzes betrieb. Dabei ging das Kloster planmässig und überlegt vor: "Möglich, dass sich hier und da außergewöhnlich günstige Umstände zum Grunderwerb boten, wie aber das Kloster einen geographisch genau begrenzten Landesteil Schritt für Schritt erwirbt - gleichsam nach einem seit langer zeit feststehenden Plane - das nötigt uns doch Bewunderung ab. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass das erworbene Gebiet in prachtvoller Geschlossenheit die große Diluvialhochfläche* nordöstlich von Gardelegen fast vollständig einnimmt, die begrenzt ist durch die Täler der Milde im Westen, des Lausebaches im Süden, der Uchte im Süden und Osten und die Niederung des Secantsgrabens im Norden. Durchbrochen wurde der Klosterbesitz nur durch die Ortschaft Lindstedt, dem uralten Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechtes und der Feldmark Käthen, das alter Besitz der von Gohr war." 2)

Kloster NeuendorfDiese Blütezeit hielt bis in die Anfänge der Hohenzollernschaft und endete mit dem Jahr 1418: "Wie es scheint, war das Kloster nun mit Grundbesitz gesättigt. Man beschäftigte sich mehr und mehr mit dem inneren Ausbau des Erworbenen und verwendete die einkommenden Summen zu Geldgeschäften, die einerseits einen mühelosen Gewinn gewährleisteten, anderseits aber eben dadurch auch zu Üppigkeit und Hand in Hand damit zum Verfall von Sitte und Ordnung führten.
Aber auch hier geht es nach dem Worte: wie der Herr, so der Diener. Denn auch unter den "Herren" ging es in jenen Tagen bunt zu. Nun war das allerdings damals keine vereinzelte Erscheinung. Das 15. Jh. bedeutet für die Zisterzienserklöster ganz allgemein eine Zeit inneren und äußeren Verfalls, und so hat man auch in Neuendorf ein Leben geführt, das keineswegs der Benediktinerregel und der regularis vita entsprach. Das Leben innerhalb der Klostermauern muss schon ein sehr weltliches gewesen sein, Gastereien mit dem Adel der Umgegend, von denen wir auch später hören, werden an der Tagesordnung gewesen sein, und an eine Befolgung der strengen Zisterzienservorschriften dachte niemand mehr. Die Hospitalitätspflicht der Klöster, d. h. die Aufnahme und Bewirtung von Fremden ohne Entgelt, war in Neuendorf so entartet, dass man sie zur Veranlassung von Gelagen machte. Wie weit die Verfehlungen der Nonnen im einzelnen gegangen sind, wissen wir nicht, eben so wenig, ob sittliche Verfehlungen vorgekommen sind, Kloster Neuendorfda die betreffenden Urkunden sich nur in ganz allgemein gehaltenen Ausdrücken bewegen. " 2)

Nach Wiederherstellung der Klosterzucht wurde das lange dem Verfall überlassene Klostergebäude bis zum Jahr 1492 umfangreich saniert und die Kirche wieder geweiht. In dieser Zeit (1506) wurden auch zwei weitere Glasmalereifenster mit der Darstellung der Ordensgründer Benedikt von Nursia und Bernhard von Clairvaux gestiftet. Die ältesten figürlichen Glasmalereifenster stammen jedoch bereits aus den Jahren um 1360 und erzählen die Vita und die Passion Christi. 3)

* Klausur - Wohnbereich der Klosterinsassen
   Diluvialhochfläche - eiszeitliche Hochfläche

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