Das Kloster Arendsee
 
von Dr. Gerhard Richter (1961)

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m Jahre 1184, um die Zeit, als Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, noch
 lebte, stiftete Markgraf Otto I. von Brandenburg das Kloster Arendsee. Otto I.
 war der Sohn des Markgrafen Albrecht (genannt der Bär) aus dem Hause der Askanier (Ballenstädter). Albrecht der Bär wurde von Kaiser Lothar(von Süpplingenburg), einem Vorgänger des genannten Friedrich Barbarossa, 1134 mit der Nordmark, wie die spätere Altmark ursprünglich hieß, belehnt. Er regierte sie bis 1170. Dann übernahm sein Sohn Otto I. diese Altmark bis 1184.

Es war im Mittelalter üblich, am Ende des Lebens, zum Ausgleich der Sünden, eine wohltätige Stiftung zu hinterlassen. So kam es zu dieser Stiftung des Klosters Arendsee. Sie geschah selbstverständlich im Rahmen einer Gesamtpolitik und nicht ganz ohne Ratgeber. Albrecht hatte die Prignitz erobert und das Havelland wieder gewonnen, nannte sich danach Markgraf von Brandenburg. Sein Sohn Otto I. hatte die nördlichen Wenden unterworfen und Mecklenburg, sowie Pommern hinzugefügt. So erhält die Gründung des Klosters Arendsee eine besondere Bedeutung für die "innere" Festigung und "geistige" Durchdringung im Herzen dieser Gebiete. Unter geistig muss man geistlich - christlich - geistlich verstehen. An die Askanier erinnert heute noch der Name Aschersleben (Askaniersleben).

Evangelist JohannesOtto I. stiftete das Kloster "zur Ehre Gottes, der heiligen Maria, des heiligen Johannes Evangelista und des heiligen Nikolaus". Johannes war der Sohn des Fischers Zebedäus, Jünger Jesu, nach der Überlieferung der Verfasser des vierten Evangeliums, der "Offenbarung Johannes" und von drei Briefen. Er war eines der Häupter der judenchristlichen Gemeinde in Jerusalem. Nach der Sage soll er in Ephesus um das Jahr 100 gestorben, nach einer anderen nach Patmos verbannt worden sein. Sein Symbol ist der Adler. Otto stattete seine Stiftung reichlich mit Gütern und Einkünften aus und bestimmte, dass die dort unterzubringenden Nonnen ein Leben nach der Ordensregel des heiligen Benedict führen sollten.

Benedict (von lateinisch benedictus = Gesegneter) von Nursia hat von -480 bis -543 gelebt. Nursia ist ein Ort in Umbrien in Italien. Auf dem Monte Cassino, das im zweiten Weltkrieg so sehr zerstört worden ist, weil es den deutschen Fallschirmjägern als "Schanze" dienen mußte, hatte Benedict sein Kloster gegründet. Er war der erste Abt dieses Klosters und des nach ihm benannten Ordens. Er wurde damit der Begründer des europäischen Mönchtums. Die Benedictiner leben seitdem nach der OSB (Ordo Sancti Benedicti = Orden des heiligen Benedict). Sie wollten asketisches Christentum mit Zivilisations-Tätigkeit verbinden. Ihr Abt-Primas saß in Rom. Die Benedictinerinnen sind eine der Abzweigungen dieses Ordens. Es gibt auch noch andere. Die Benedictinerinnen nahmen sich vor, besonders dem Gebet zu leben und die Kultur im Lande zu verbreiten.

Kloster ArendseeMit dem Bau der Klosterkirche wurde erst im Jahre 1200 begonnen. Der Bau dauerte acht Jahre, und 1208 wurde sie eingeweiht. Es ist anzunehmen, dass die Wirtschafts- und Wohngebäude vorher fertig waren. Diese lagen nach der Seeseite zu, der ganze Baukomplex auf dem hohen Südufer des Arendsees.

Die Nonnen entstammten adeligen Familien und wollten oder sollten "nur dem Herrn dienen". Sie hatten hohe Mitgift einzubringen, so dass man nicht unterstellen darf, dass eventuell Erbschleicherei im Spiele sein konnte. Das eingebrachte Geld oder Gut verblieb nach dem Tode der Einbringerin sowieso dem Kloster als Eigentum.

Die Tage waren genau eingeteilt. Von der Früh- bis zur Nachtmette rief die Klosterglocke in regelmäßigen Abständen zur Andacht, zur Besinnung, zu Bußübungen in die Kirche und zu Rechenschaftslegungen in den Kapitelsaal. Scholastica Hildiswindis betrieb sogar eine "fahrende Schule" um besonders die Jugend auf dem Lande zu erfassen und für den Nachwuchs in den niederen Graden zu sorgen. Eine Scholastica war schon die Schwester des Benedict von Nursia. Eine Scholastica ist eine lehrende Nonne. Die Scholastica Hildiswindis von Arendsee, lehrte um 1232. Die Nonnen selbst und auch die Laien im Lande wurden von einem Propst mit seinen Kaplänen geistig versorgt.

1481 waren nachweisbar 70 Nonnen im Kloster. 1540, nach der Reformation Martin Luthers, wurde das Kloster von Kurfürst Joachim II. säkularisiert, d.h., das Kloster wurde  der Kirche entzogen und verweltlicht, wurde staatliches Eigentum. Man machte ein adliges Fräulein-Stift daraus. Fräulein durfte sich damals nur eine "Person von Stande'', von Adel also, nennen und nennen lassen. Kloster ArendseeHier wurden alle diejenigen Töchter des Adels aufgenommen, die entweder keinen Mann abbekommen hatten, haben wollten oder auch sollten, wenn sie genügend Kapital (Erbansprüche) einbringen konnten. Dadurch erwarb das Stift Ländereien und Zinsansprüche, kurz: Einkünfte rundum im Lande; denn die Auswahl der Insassinnen geschah nach Gesichtspunkten, die der Komplettierung des Einflusses zu dienen hatten. Mit der Beherrschung des so in Zinsknechtschaft gebrachten Landes ging Hand in Hand die Lehrtätigkeit, die geistige Beeinflussung der Menschen im Sinne der Erhaltung und Vermehrung des Besitzstandes, des Zustandes, der den "Damen" ein sorgenfreies und manchmal auch üppiges Leben gestattete.

Kloster Arendsee

 

    Kloster Diesdorf
    Kloster Neuendorf
    Kloster Dambeck
    Kloster Arendsee
    Kloster Krevese

     

 

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