Stiftskirche St. Nikolaus in Groß-Beuster

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r_buchstabe_die Gemeinde Beuster, direkt hinter dem Elbdeich gelegen und nur 4 km vom
 Bahnhof Geestgottberg entfernt, schließt mehrere, früher selbständige
 Siedlungen ein. Infolge dieser geschichtlichen Entwicklung sind hier
heute zwei sakrale Bauwerke von bemerkenswerter Schönheit zu finden.

Stiftskirche St. Nikolaus in BeusterDie Stiftskirche der Augustiner Chorherren in Groß-Beuster ist St. Nikolaus, dem Schutzherren der Schiffer und Kaufleute, geweiht. Nach neuesten Untersuchungen kann die Fertigstellung des Chors für das Jahr 1172 nachgewiesen werden. Damit ist die Backsteinkirche eine der ältesten nördlich der Alpen.

Als dreischiffige Pfeilerbasilika errichtet, erfuhr die Kirche eine wechselvolle Baugeschichte. Die ursprüngliche Flachdecke wurde im 14. Jahrhundert eingewölbt, nachdem man auch den massiven, blendengeschmückten Turm erst im gleichen Zeitraum eingebaut hatte.

Lange Zeit wurde angenommen, dass beim ursprünglichen Bau ein Turm gar nicht vorgesehen war, jedoch im Jahr 2003 wurden bei Grabungen im Zuge der Restaurierung mächtige Turmfundamente vor der Westfront gefunden. Bei der Freilegung der Grundmauern zeigte sich auch, dass die Seitenschiffe vor ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg ebenfalls mit Apsiden ausgeführt waren. Heute sehen wir sie fast so, wie sie in der Barockzeit wiedererrichtet wurden.

TürbeschlagWenn Sie von der Turmvorhalle aus das Schiff betreten, wird Sie die Geschlossenheit und Klarheit des Raumbildes erfreuen. Beim Rundgang werden viele bauliche Details Ihr Interesse gefangen nehmen, nicht zuletzt der spätromanische Taufstein (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) in seiner schönen Schlichtheit oder der kunstvolle Türbeschlag am Südportal.

Die Pfarrkirche St. Marien von Klein-Beuster blickt ebenfalls auf eine lange Geschichte zurück. Schon 1414 wurde im Zusammenhang mit dem Ort eine kleine Kirche erwähnt. Die Messe wurde damals von den Domherren des Stifts in Groß-Beuster gelesen. (Noch heute wird der Verbindungsweg zwischen den beiden Kirchen "Pfaffenstieg" genannt.) Aber bereits 1538 stellten die Bewohner von Klein-Beuster einen eigenen Pfarrer an, der ihnen "das Wort Gottes nach der neuen Art" predigen sollte, was nicht ohne Oberraschung und Ärgernis für die Domherren des Stifts abging. » mehr


BacksteinfundamentBaugeschichtliche Daten zur Stiftskirche St. Nikolaus:

Die Stiftskirche ist ein reiner Backsteinbau. Der Bauplan entspricht der typischen Basilika mit Seitenschiffen und Chorquadrat. Das Mittelschiff ist durch regelmäßige Fenster in den Obergaden belichtet. Ursprünglich besaß die Kirche im Westen einen quadratischen Turm (11,20 x 11,20 m). Besonders bemerkenswert ist, dass die Backsteine wie Werksteine steinmetzmäßig bearbeitet worden sind. Formsteine fanden noch keine Anwendung.

   Daten und Zahlen

  • 1146 Erster und zweiter Wendenkreuzzug
  • 1148 Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe dringen über die Elbe
    in slawisches Gebiet vor.
  • 1174 Friedrich Barbarossa bestätigt dem Bischoff Hugo von Verden die Grenzen seiner Diözese in der Mark gegenüber dem Halberstädter Bischoff.
  • Beuster gehört zum Bistum Verden. Das Stift Beuster liegt im Grenzraum zwischen den Bistümern Havelberg und Halberstadt und hatte eine wichtige strategische Bedeutung.
  • Über die Gründung der Stiftskirche sind keine Urkunden erhalten. Als Bauherren könnten die Edlen Gänse, später die Edlen Gänse zu Putlitz
    infrage kommen.
  • 1246 Erste urkundliche Erwähnung. Konrad von Gottberg wird als
    Kanonikus des Stifts genannt.
  • 1337 Markgraf Ludwig erlaubt die Verlegung des Stiftes Groß Beuster
    nach Seehausen
  • 400 Jahre, von 1150-1550, hatte das Stift großen Einfluss auf das
    christliche und kulturelle Leben in der Region.

   Stiftskirche St. Nikolaus in BeusterBaugeschichte

  • vor 1172 – 1. Romanische Bauphase
    Apsis, Chor und Teile des Langhauses werden errichtet
  • 1172-1184 – 2. Romanische Bauphase
    Mittelschiff, Seitenschiffe, Turm
  • im 13. Jh. – Zwischenphase
    Das Langhaus erhält einen Fußboden aus quadratischen Tonfliesen.
    Maße: 18,5 x 18,5 cm
  • um 1500 – spätgotische Phase
    Kreuzrippengewölbe, Lettner, Kreuzaltar;
    Langhaus geputzt, neuer Turmaufbau
    innerhalb des Kirchenschiffes
  • um 1750 – barocker Umbau
    Seitenschiffe und Ostgiebel des Chores neu errichtet, Fußboden aus
    barocken Backsteinen.
  • 1860-1878 – romanisierender Umbau
    Alle Gesimse werden erneuert, der Rundbogenfries ergänzt, Lisenen rot eingefärbt, Wandfelder verputzt, die neoro-manische Orgelempore wird eingebaut, Pfeiler werden angefast.
  • 1903 Teer-Heißanstrich auf Innenwände und Pfeiler wird angebracht.

   Stiftskirche St. Nikolaus in BeusterSanierung ab 2001

  • 2001 Das Dach wird neu eingedeckt
  • 2003 Umlaufend werden die Sockelbereiche der Außenwand freigelegt, Drainage und Regenwasserableitungen werden gelegt. Das im Laufe der Jahrhunderte um 60 cm angewachsene Bodenniveau im Inneren wird schichtweise abgetragen. Dabei werden Reste des romanischen und
    gotischen Lettners freigelegt.
  • 2004 Die Kirche wird verformungsgerecht vermessen. Abstrahlen der Teerschicht im Innenraum. Opferputz wird auf das gesäuberte Mauerwerk aufgetragen, um das Mauerwerk zu trocknen und zu entsalzen.
  • 2005 Neugestaltung der Außenflächen im Westen mit Freifläche im Bereich
    des romanischen Turmes. Wiedererrichten des Haupteingangs im Turm.

   Stiftskirche St. Nikolaus in BeusterAusstattung

  • Spätromanische Sandsteintaufe
    Kelchförmig, neuneckig, mit Rundbogenfries – aus dem 12. Jahrhundert.
  • 1885 Kanzel, Altarplatte mit Kreuz, Orgel
  • Inschriftgrabsteine
    für die Pfarrer Christian Friedrich Schröder und Friedrich Wilhelm Albrecht
    am Südseitenschiff außen – Ostseite.

   Maße

  • Gesamtlänge der Kirche: 37,1 m
  • Gesamtbreite: 16,5 m
  • Innenmaße (Länge/Breite/Höhe):
     Nördliches Seitenschiff:  25,2 / 2,8 / 4,0 m
     Südliches Seitenschiff: 19,5 / 3,0 / 4,0 m
     Mittelschiff, Chor: 19,5;9,1 / 7,1 / 10,5 m
     Apsis:  5,3 / 6,5 m
     

Kontaktadresse:
Evangelisches Pfarramt, Pastorin Veronika Benecke, Schulweg 2, 39615 Beuster,
Tel.: 039397-97458, Fax: 039397-97459, Mail: veronika.benecke@freenet.de.
 

Text: Förderverein St.-Nikolaus-Kirche Beuster e. V.
(Vorsitzender Dr. Volker Stephan, Gardelegener Straße 99, Tel.: 03931-412519 /
Pastorin Veronika Benecke, 39615 Beuster, Tel.: 039397-97458)

 

Beuster an der Elbe
Beuster an der Elbe
Foto: Evangelisches
Pfarramt Beuster

    Pfarrkirche St. Marien
    in Klein-Beuster

     

Kloster Neuendorf

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